.WEATHER & CHASING WEATHER

Das Thema Wetter ist in meinem Leben seit jüngster Kindheit sehr präsent und das Interesse hieran scheint sogar angeboren.

Dies schlussfolgere ich aus der Erzählung meiner Mutter. Für meine persönliche Entwicklung wurden mir so viele Geschichten vorgelesen. Da war klar, dass ich dort auch ein persönliches Mitspracherecht hatte! Denn die Lust des Zuhörers „dementsprechend mir“ sollte ja schon vorhanden sein und das Zuhören sollte Spaß machen. So antwortete ich mit 1 1/2 Jahren also meiner Mutter schon auf die Frage, zu welchem Thema ich gerne mal ein Buch haben möchte, schon mit der Antwort „ein Buch über das Wetter“.

Buch aus der Kindheit zum Thema Wetter.
Rückseite vom Buch aus der Kindheit zum Thema Wetter.

Schon damals war diese Faszination also sichtbar. Die Verkäuferin war auch recht beeindruckt, als meine Mutter dann in ihrem Laden in Peine stand und dort nach einem Kleinkindgerechten Buch zum Thema Wetter suchen ließ. Es war wohl eine kleine Herausforderung, doch die Mühe des Suchens sollte sich letztendlich auszahlen. Es wurde ein Kinderbuch, in dem es viel über das Wetter geht, gefunden und bestellt.

Dieses Buch wurde extra aufgehoben und mir später im Laufe des Lebens erneut übergeben. Und was soll ich sagen… ich habe es immer noch in meinem Bücherregal. 😀 Wer sich jetzt für dieses Buch interessiert findet hier ein paar Bilder!

Ich weiß aber auch noch, wie ich als Kind mit meiner Oma bei jedem Gewitter auf ihrem Balkon stand und fasziniert den Naturschauspielen zugeschaut & zugehört hatte. Als dann eines Jahres der Film Twister erschien, war ich schlicht begeistert! Einmal weil ich sah, wie man diese Leidenschaft auch noch ausleben und zusätzlich nützlich einbringen kann und zum anderen, weil ich sah, dass es anscheinend noch andere Gleichgesinnte geben musste. Damals war das Internet aber noch nicht so ausgebaut, wie es heute der Fall ist. Außerdem war es sehr teuer, da man sich umständlich mit einem Modem einwählen musste und man sich dann beeilen musste an Informationen zu kommen, da jede Minute bares Geld kostete!

Als dann am 29.06.1997 ein Unwetter über das Peiner Land hinweg zog, war ich endgültig von diesen Wetterschauspielen stark beeindruckt. Denn was in dieser Nacht geschah war einfach nur Krieg, etliche Blitze zuckten wirklich im Sekundentakt über den Nachthimmel, sodass die Nacht zum Tag wurde und die Donnerschläge dröhnten so extrem, dass die Scheiben vibrierten, so ein intensives und langes Unwetter habe ich seither kein zweites Mal in meinem Leben erlebt. Am nächsten Morgen kam dann allerdings auch die Schattenseite dieser Naturgewalten zu Tage, denn es gab verheerende Materielle Schäden und auch in der Natur war nichts mehr, so wie es einmal war. Es knickten sogar Strommasten um, welche zu etlichen Stromausfällen führten, viele Straßen waren nicht mehr befahrbar, wodurch dann auch die Schule ausfiel.

Nebenbei war da auch immer mein Bruder, welcher als Fluglehrer & Hobby Pilot für Segelflugzeuge, Motorsegler und Ultraleich Flugzeuge sich auch durch die Fliegerei mit dem Wetter gut auskennt und oft mit mir darüber sprach. Er war in meiner Kindheit und Jugend auch mein prägender professioneller Ansprechpartner zum Thema Wetter. Von ihm lernte ich die ersten Wolkenarten und das Wetter besser zu deuten.


Hier ein paar Bilder von einem meiner ersten Chasings anno 2003:

Als ich dann 2003 mit 18. meinen Führerschein in der Hand hielt und über ein Auto verfügte, habe ich im Internet immer auf dem Regenradar nach Gewittern Ausschau gehalten. Ich habe geschaut wie sie zogen und wo es wohl am stärksten wird. Ich habe mir dann die Daten auf meinen PDA geladen und bin dann losgefahren. Ich war quasi immer auf der Suche nach einem vergleichbaren Gewitter von jener Nacht aus dem Jahre 1997. So zogen viele Jahre ins Land, doch als ich dann Ende 2007 eine Dokumentation über Stormchaser in Deutschland sah, war ich schlichtweg fasziniert. Ich hätte mir nie gedacht, dass es auch in Europa fernab der USA Leute gibt, die wie ich den Stürmen entgegen jagen. Ich fing an zu googeln, ärgerte mich warum ich das nicht schon vorher gemacht hatte, denn ich fand inzwischen unzählige Seiten über das Stormchasen in Europa, sowie viele gut organisierte Gruppen und Foren. Ich meldete mich bei Skywarn & Stormchasing Europe (SCE) an und durchsuchte die Foren nach Leuten, die vielleicht aus der Nähe kommen, denn die musste ich unbedingt kennenlernen.

Und siehe da! Die Gruppe Stormchasing Harz Heide, die meisten kamen sogar aus dem Landkreis Peine und der näheren Umgebung, war mein neuer Anlaufpunkt und meine Hoffnung wurde bestätigt. Ich wollte sie aber nicht direkt anschreiben, also schrieb ich vorerst im SCE-Forum im Vorstellungsbereich einen Artikel zu mir und wartete darauf, dass ich gefunden werde. Schon am nächsten Tag erhielt ich von Vincent G. dem Gründer der Gruppe Stormchasing Harz Heide eine Nachricht, ob ich denn bei ihnen nicht mitmachen wolle. Nun war der Weg in die wohl schönsten Jahre meines Lebens geebnet. Ich beschäftigte mich ab jetzt professionell mit dem Thema. Ich lernte die Wolkenarten kennen und dass ich früher immer mit dem Auto einen „Core Punch“ versucht hatte und das man dies eigentlich vermeiden & nicht machen sollte, da es sehr gefährlich sein kann.

Da man in diesem Hobby auch viel Dokumentiert und ich die Fotografie bisher auch immer mochte, dies aber immer auf gute Handy-Cams beschränkt hatte, beschloss ich mir gleich fürs „Chasen“ eine professionelle Spiegelreflexkamera zu besorgen. Über die Jahre habe ich mir einiges an Material inzwischen dafür zusammengekauft. Vom perfekten Chasing-Car bis zum Windmesser ist alles dabei.

Im Team Stormchasing Harz Heide waren viele ambitionierte und sehr engagierte Leute, die auch letztendlich den schulischen Weg „Studium“ und später den beruflichen Werdegang dem Wetter widmeten. Auch sehr technikaffine Mitglieder, die sehr gute Fotos & Videos, wie auch diese sauber nachbearbeiten konnten, waren dabei. Der Erfolg des Teams ließ also nicht lange auf sich warten und das Team bildete mit wenigen anderen Teams die Speerspitze des deutschen Stormchasings. Auch die Medien wurden aufmerksam auf das Team und es folgten sogar Einladungen bei bekannten Nachrichtensendungen oder TV Shows. Letztendlich führte dies dann dazu, dass das schöne Team aus besten Freunden so professionell wurde, dass es eher ein Unternehmen wurde. Es sollten immer noch bessere und spektakulärere Inhalte beschafft werden, um den Erfolg weiter zu füttern. Es wurde eine permanente Rufbereitschaft verlangt oder auch das Reisen in ganz Europa gefordert. Wer nicht konnte, da dies ja ein Hobby war und man ja noch einer regulären Arbeit nachging, sollte dann halt die anderen finanziell unterstützen, damit diese an die Inhalte kommen und reisen konnten. Da für mich das ganze erstranging ein Hobby war, Spaß machen sollte und mein Beruf halt auch leider Vorrang hat, bin ich dann 2013 aus dem Team ausgetreten. Persönlich finde ich auch, wenn es überall lokale Teams gibt, dann soll doch jeder auch sein Areal bedienen. Wir hießen im Namen „Harz – Heide“ und darauf hätte man es vorranging belassen sollen, anstatt die ganze Welt zu bedienen, ansonsten hätte man sich auch umbenennen können.

Seitdem mache ich mein Ding lieber allein, wenig später hat sich die Gruppe auch aufgelöst. Gefühlt hat in dieser Szene eh irgendwie ein Umdenken stattgefunden und viele machen heute nur noch alleine ihr Ding und machen mal was gemeinsam mit anderen. Aber direkt Teams, so wie ein Verein, gibt es in der Stormchasing Szene in Deutschland seltener.

Auch wenn die letzten Monate in dem Team eher durch den Unmut gegenüber mir geprägt war. Da ich durch meinen Beruf nicht die geforderte Leistung im Team erbringen konnte und es von einigen mir gegenüber zu immer mehr Druck und Sticheleien kam. War es dennoch davor mit die schönste und tollste Zeit meines Lebens, mein Herz gehört diesem Team und ich wünsche allen auch noch heute alles erdenklich Gute für die Zukunft. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja mal wieder bei dem ein oder anderen Chasingpoint.

Und das positivste bei dem Hobby „Wetter“ ist:

Wetter ist immer und es gibt kein schlechtes Wetter!

Naja… nur ewiges graues Dauerregenwetter ist nicht so schön, aber in der Zeit kann man ja auch gut mal seine Fotos auf Vordermann bringen und diese Seite pflegen! 😉

Für das Stormchasen hat sich über die Jahre auch allerhand Ausrüstung angesammelt. Hier mal ein kleiner grober Überblick:

  • Laptop & aktuelles Smartphone
  • Windmesser „Windmaster 2“
  • Allrad betriebenes Fahrzeug mit Navigationssystem
  • Fernglas, Kompass, Karten
  • Warnwesten & Magnetschild für das Auto
  • Funkgeräte
  • Foto- & Videokamera

 

 

 

 


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